
Schon das 19. Jahrhundert brachte im Blick auf das Verhältnis von Staat und Kirche bedeutende Veränderungen mit sich. Sahen die zumeist nationalistisch geprägten Staaten in den Kirchen nach wie vor einen Faktor für die Erziehung und moralische Bewusstseinsbildung ihrer Untertanen, wollte die katholische Kirche ihre Angelegenheiten immer stärker selber regeln. Das 20. Jahrhundert trägt durch einschneidende Ereignisse wie z.B. die beiden Weltkriege, aber auch durch politische, wirtschaftliche und soziale Entwicklungen zu einem neuen kirchlichen Selbstverständnis und einem neuen Verhältnis der Kirche zu Staat, Politik, Demokratie und Europa bei. Dabei bleibt die Frage, ob die Kirche als Institution sowie Christinnen und Christen in politischen Auseinandersetzungen öffentlich Flagge zeigen sollen oder Religion rein ins Privatleben gehört, jedoch herausfordernd – wie es aktuelle Problemlagen, z.B. der Krieg in der Ukraine, der Beginn der zweiten Präsidentschaft Donald Trumps in den USA oder hierzulande hitzige Debatten zum Thema Migration und dem Abstimmungsverhalten von Parteien mit einem "C" im Bundestag, deutlich vor Augen führen. Insofern war das Theologische Seminar für das Bildungswerk der KAB Münster, das am letzten Wochenende, dem Wochenende der vorgezogenen Bundestagswahl stattfand, hochaktuell. Wichtige Ereignisse der Kirchengeschichte des 20. Jahrhunderts wie das Verhalten der Kirchen während der beiden Weltkriege wurden genauso thematisiert wie kirchliche Haltungen zu Demokratie und Menschenrechten. Dabei ging es den engagierten KAB-Mitgliedern immer auch um die Frage, wie wir uns als Christinnen und Christen heute positionieren und welchen verantwortlichen Beitrag für unsere Gesellschaft wir leisten sollen und müssen, wenn die Würde des Menschen infrage gestellt oder diskriminierende, rassistische und menschenverachtende Positionen zunehmend in Gesellschaft und Politik vertreten und salonfähig werden.
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